Eingewanderte Menschen sind eine besonders wichtige Gruppe in der Betreuung geworden

Die Zahlen der Menschen mit HIV und Aids, die zu uns eingewandert sind, haben sich am Gesamtanteil der beratenen und betreuten Menschen um ein Drittel erhöht. Diese Entwicklung zeigt nicht nur einen steigenden Anteil eingewanderter Menschen in Kreis und Stadt Offenbach, deren Infektion und Erkrankung festgestellt wurde und die einer (meist langfristigen) Unterstützung bedürfen. Sie zeigt auch, dass unsere Bemühungen, für solche Menschen trotz ihrer Ängste und Barrieren vertrauenswürdig und einladend zu wirken, erfolgreich waren.

Allerdings hatte diese Steigerung nach Nachfrage große Konsequenzen für die Arbeitsbelastung und Komplexität der Aufgaben:

  • Begleitungen waren häufiger und zeitaufwändiger. Die Nöte, sich in medizinischen Systemen und Behördenvorgängen mit samt der sprachlichen Probleme zurechtzufinden, erforderten einen überproportional hohen Begleitungsaufwand.
  • dieser erhöhte sich zusätzlich, wenn die Lage von Kindern mit berücksichtigt werden msuste, was ebenfalls häufiger der Fall war. Die Kommunikation in der Familie von Müttern mit HIV und AIDS bringt ihre eigenen, vielfältigen und tabubelasteten Schwierigkeiten mit sich.
  • eine besondere Beachtung mussten hier auch Situationen der Überbelastung der Familien als Ganzes finden, was zum Beispiel die Berücksichtigung familärer Erholungsmöglichkeiten und Notprogramme etwa beim Ausfall von Müttern und Vätern verlangte.
  • Dem Bedarf an situations- und gesprächssensiblem Dolmetschen – gerade auch in der ärztlichen Sprechstunde – musste durch geeignete, ehrenamtliche Personen sichergestellt werden.
  • Auch der Bedarf an Transportangeboten wuchs mit dem Bedarf an Sicherstellung von Diagnostik und Therapie. Denn oft garantiert allein eine aufmerksame Begleitung, dass jemand – womöglich noch mit Kindern an beiden Händen – sich auf den Weg macht und auch da ankommt wo der wichtige Behandlungstermin stattfindet.
  • Maßnahmen mussten besprochen und getroffen werden, um Ängste vor „Erkennung“ in der eigenen Community beherrschbar zu machen oder zu lindern. Hierzu mussten gute „Coachs“ – möglichst gleicher Herkunftsregionen – gefunden und in die Arbeit eingeführt werden.
  • Aufenthaltsspezifische Probleme kamen häufig zu komplexen Beherrschung der Erkrankung hinzu.
  • All diese Probleme untergraben oft ganz unmittelbar die Möglichkeiten der nötigen Therapietreue und -disziplin. Die Absicherung der Compliance ist somit auch hier zu einem Hauptfeld der Betreuung geworden.
  • (ml)
    Erstdruck: Jahresbericht der Aids-Hilfe Offenbach e.V. 2011/2012